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Los Fastidios – So Rude, So Lovely EP

Mit „So Rude, So Lovely“ geben Lost Fastidios nach acht Jahren mal wieder eine EP zum besten. Auf ihr finden sich insgesamt drei Songs wieder. Dazu gibt es noch fünf Bonustracks, bei den acht Liedern sind jedoch nur zwei neue dabei. Zum einen das titelgebende „So Rude, So Lovely“, ein klassisches 2-Tone Liebeslied und zum anderen „Hey You Are“ welches sehr Streetpunkig daher kommt.

Die restlichen Songs sind in neuen Versionen eingespielt worden. Mit dem Keyborder De Veggent hat man sich jemanden für den etwas anderen sound an Bord geholt. De Veggent stand vorher bei Red Ska am Keyboard und hat unter anderem dem Song „La Mia Vita“ seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt.

„So Rude, So Lovely“ ist eine musikalisch tolle CD-EP in erster Linie für Fans der Band. Die Songs kommen im typischen Skinhead Reggea Sound der Band daher. Wie immer schöner Working Class Punk-Rock wie man es von den Antifa Hooligans aus Italien seit 1991 gewohnt ist.

„So Rude, So Lovely“ ist bei KOB Records erschienen.

Jan

Chefdenker - Asozialdarwinismus

6 Jahre? Kaum zu glauben, dass die letzte Veröffentlichung der Kölner schon wieder so lang Jahre her ist. Aber da mein Zeitgefühl aufgrund der allgemein bekannten Umstände seit 2020 sowieso vollkommen durcheinander geraten (und damit dem üblichen Platte-Tour-Platte-Tour-….-Schema entkommen) ist, kann das durchaus passen.

Wie dem auch sei. Schon bei der letzten, also 2016 erschienenen Platte Eigenuran hatte es mehrere Anläufe gebraucht, bis sie bei mir „zündete“, was in diesem Fall allerdings eher als Qualitätsmerkmal anzusehen ist. Denn oft ist es doch so, dass ein „schneller Ohrwurm“ nach kurzer Zeit maximal nerven kann. Bei einem CHEFDENKER-Album ist es aber eben so, dass man auch nach dem zehnten Hören noch einmal etwas Neues entdecken kann und sich vermeintliche, nennen wir es mal B-Songs, zu A-Songs entwickeln und einem längere Zeit Freude machen. Während zum Beispiel kurze Titel wie „Russischer Anwalt“ schnell auf die Zwölf gehen und sicher auch live gut funktionieren, dauerte es bei „Ich Höre Den ganzen Tag Jeff Lynne“ - inklusive (Rock`n`Roll-NoGo(!)) Fade Out am Ende - zumindest bei mir schon etwas länger. Allerdings hatte ich die Platte die ersten Male nur „nebenbei“ gehört, was in bestimmten Momenten sicher auch funktionieren kann. Für den Witz und die musikalischen Fertigkeiten der Band muss man sich aber schon die Zeit nehmen, um das gesamte – ja was sagt man? – Potential?, Spektrum?, Wassweißich? zu erfassen. Caddys teils jazziges Schlagzeugspiel, die Gitarren des Kollegen und Claus‘ unverwechselbare Stimme inklusive einer Lyrik, wie nur er sie bringen kann. So verrückt es teilweise klingen mag, man nimmt ihm alles ab. Herrlich.

„Kreuzberger Morgen sind lang“ ist ein absoluter Hit und lässt einen als Wahlberliner in schwachen Momenten zweifeln, ob man wirklich in der richtigen Stadt lebt. Doch diese sind glücklicherweise kurz, wie generell auch der Großteil der Songs. Insgesamt 19 sind es in ca. 35 Minuten.

War ich vom letzten Output des Herrn Luer, der KnoFa 10“ aus dem Jahre 2022, doch einigermaßen enttäuscht – ja, ich weiß das ist hier ist eine eigenständige Band, aber ganz voneinander trennen kann man es ja auch nicht, oder? – ist ihm und seinen Mitstreitern doch mal wieder ein kleines Meisterwerk gelungen. Dieses kommt als CD, digital und als Vinyl in schwarz bzw. auf 500 Stück limitiert in curacaoblau daher. Tja, ich sag mal, das ist der erste Pflichtkauf des Jahres und es hängt die Messlatte für folgende Veröffentlichungen in diesem Jahr schon mal extrem hoch. Vielen Dank dafür!

Die Bockwurschtbude - Sippenhaft

Es gibt ja bekanntlich Sachen, die ihre Zeit brauchen. Ein gutes Bier braucht z.B. 7 Minuten, eine Bockwurst braucht auch etwa 5-7 Minuten bis sie heiß ist. Doch dann gibt es da Dinge die länger dauern, ich habe jetzt 22 Monate gebraucht um mal wieder eine Plattenrezension zu schreiben, das passt in dem Moment ganz gut, da die Bockwurschtbude sich ja auch Zeit gelassen hat mit ihrem neuen Album. Da scheint sich im Übrigen in Frankfurt (Oder) eine Normalität einzuspielen, dass gute und in der Tat auch richtungsweisende Punk Alben 9-10 Jahre brauchen.

War ich vom Album “Back to the roots” schon angenehm überrascht, da es ohne trashigen Deutschpunkschunkelsound daher kam, setzen die vier Jungs mit dem neuen Album “Sippenhaft” noch einen drauf und haben textlich an Ernsthaftigkeit zugelegt. Musikalisch machen sich die Besetzungswechsel positiv bemerkbar (wilkommen Andie Agave) und so geht es mit zwei Bässen deutlich rauer und energischer zur Sache.

Die 12 Songs auf dem Album sind inhaltlich deutlich Kritischer und arbeiten sich an fast allem ab, was in unserer Gesellschaft gerade passiert. Sei es die wiederholte Debatte um den Dienst an der Waffe (Helden). Die Konsumgesellschaft in der alles zur Ware wird (Dieser Weg) und jeder für sich die Wahrheit gepachtet hat, ohne dabei über den Tellerrand zu blicken (Einbahnstraße) und dabei den Blick auf Menschen in Teilen der Erde verliert, die zur Flucht gezwungen werden (Strandgut, Kollateralschaden). Genauso das stupide hinnehmen von Zuständen, in denen mehr Zivilcourage angesagt wäre (Patentrezept), bis hin zur Repressionsschraube durch den Staat (Arschlecken) weil man sich für den nicht ändern will. Lediglich das Stück “Scheißsong” lässt noch etwas Ironie aufkommen.

Wer zu Weihnachten musikalisch was anderes sucht als “Stille Nacht - heilige Nacht" oder die nervige Schlagermucke auf dem Weihnachtsmarkt, dem sei das Album sehr ans Herz gelegt. Vielleicht bringt es auch etwas ernsthafte Nachdenklichkeit in die Weihnachtszeit und wir besinnen uns im neuen Jahr darauf, etwas kritischer und reflektierter ans Werk zu gehen.

Die LP Sippenhaft erscheint im dicken Klappcover und in schwerer 180g Pressung mit verschiedenen Farben. Dazu gibt es ein Textblatt und das ganze gibt es noch als CD obendrauf. Die Tape-Version wird in limitierter Auflage (100 Stück) bei Oi! The Nische zu erwerben sein.

Zudem gab es zum Pre-Order Start ein Video, welches im Sommer gedreht wurde, welches stilecht u.a. in einem Frankfurter Hinterhofgarten spielt.

Jan