ANDERE

Sie sind hier

The Stanfields – Limboland

Das mittlerweile fünfte Album der Band gefällt mir wieder etwas mehr als dessen Vorgänger. Ich beobachte die Band ja schon einige Jahre und war sofort in deren rauen aber dennoch melodischen Sound verliebt. Das letzte Album ist mir dann doch zu seicht geworden, weshalb ich glücklich bin, dass es diesmal wieder etwas rauer aber nicht unrund zur Sache geht. Vielleicht ist es aber auch die große Abwechslung, die mich dieses Mal begeistert. Neben ruhigen Songs wird musikalisch aber auch inhaltlich ordentlich aufs Gaspedal getreten. Hier ein bisschen Folk, da ein bisschen Rock und über allem die Pubrauch geschwängerte Luft. Grundsätzlich gefällt mir dabei, dass die Band um Frontmann Jon Landry, die zwei Besetzungswechsel zu verkraften hatte, thematisch nicht resigniert, obwohl die verfickte Welt gerade allen Grund dazu liefert. „Your Flag (won´t save you anymore)“ ist da echt der Soundtrack, selbst nicht zu verzweifeln. Ganz starkes Album, welches ohne Ende Kraft geben kann und gibt, wenn man sich darauf einlässt.

BSÍ – s/t

Und noch eine Platte vom Berliner Tomatenplatten Label. Aufgrund seiner vielen Touren mit seiner Band lernt Betreiber Thomas Götz sicher einen Haufen interessanter Musikerkollegen kennen. Und wenn diese mitbekommen, dass er auch ein kleines Label betreibt, stell ich es mir nicht einfach vor, eine Auswahl zu treffen, was er dort veröffentlichen möchte. Bei der isländischen Band BSÍ, benannt nach dem Busbahnhof der Hauptstadt, scheint es aber funktioniert zu haben.
Dass Island eine sehr aktive Musikszene hat, ist hinlänglich und nicht erst seit BJÖRK oder EMILIANA TORRINI bekannt. In Keflavik, nahe des isländischen Hauptflughafens, gibt zum Beispiel ein sehr interessantes Musikmuseum (The Icelandic Museum of Rock and Roll), welches ich jedem empfehlen kann, der sich dort mal in der Nähe befindet.
Die Debüt-EP des Duos erscheint dann gleich mal international und ist eine Kooperation mit dem in Reykjavik ansässigen Why Not?-Label. Zu hören gibt es 3 Tracks lupenreinen Postpunks, wobei gerade die melancholische aber leicht daher kommende B-Seite brilliert. In die Indie-Richtung gehend fallen mir nicht allzu viele Vergleiche an. Stellenweise werde ich an THE GENTLE WAVES oder BELLE & SEBASTIAN erinnert. Hat was.

Chelseas Choice Fanzine #3

Lange hab ich nicht mehr ein Fanzine mit so viel Freude und Spaß gelesen, wie das CHELSEAS CHOICE aus Österreich. Eher zufällig hab ich es vom Thomas von STEELTOWN RECORDS in die Hand gedrückt bekommen. Auf meiner Fahrt zurück nach Berlin habe ich es dann förmlich im Zug verschlungen. Ich bin ja eher alibimäßig noch PLASTIC BOMB Abonnent. Doch schrecken mich – abgesehen von einigen lesenswerten Kolumnen, die ich auch erst spät entdeckt habe, die standardmäßigen Interviews ab, die teilweise, so das Gefühl, ohne Lust und Laune geführt werden und es wenig Neues und Interessantes zu entdecken gibt. Das fängt schon mit der Einleitung bei den meisten Interviews an, welche standardmäßig mit dem Satz enden: „Grund genug, sich mal der Band xy zu widmen und ihnen ein paar Fragen zu stellen…“. Wenn da jedes Mal fünf Euro im Phrasenschwein landen würden, … Ach lassen wir das. Denn hier sind wir eben beim CHELSEAS CHOICE.
Die Sache ist die, dass ich selbst bei Themen gefesselt bin, in denen ich nicht so bewandert bin bzw. eine Verbindung zu habe. So zum Beispiel beim Thema TATTOOS, welche einen nicht unwesentlichen Platz im Heft einnehmen. Aber das ist ja gerade das Interessante. Und der Sinn eines Fanzines. Zumal bei diesem Thema auch von vielen unterschiedlichen Sichtweisen herangegangen wird. Neben alten Bands und Künstlern (THE CRACK, LEE „SCRATCH“ PERRY, usw.) kommen relativ neue (STRG Z usw.), Kunstkram, Plattensammler drin vor. Abgerundet wird das Ganze durch persönliche Geschichten (teils fiktiv), Szenebericht in Österreich (inkl. limitierter 7“ bei einem Teil der Auflage) und Reviews, welche ausnahmsweise mal nicht alphabetisch geordnet, einer Promo-Maschinerie gleich, herunter gerattert werden. Was nicht passt, passt halt nicht. Meiner Ausgabe lag ein FLEXI-DISC (wie unglaublich cool ist das?) bei, in die ich allerdings noch nicht rein hören konnte. Außerdem konnte ich ein neues Wort lernen („delogieren“). Der österreichische Slang ist manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber unglaublich erfrischend. Ich weiß nicht, ob das alles von einer Person allein geschrieben worden ist. In jedem Fall steckt hier viel Herzblut drin. Wenn Ihr das Zine irgendwo seht – unbedingt mitnehmen, das lohnt sich! Mittlerweile ist übrigens auch Ausgabe #4 erhältlich.